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Batman Begins

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Batman BeginsUSA (2005)

Regie: Christopher Nolan, Drehbuch: Christopher Nolan, David GoyerKamera: Wally Pfister, Musik: Hans Zimmer, mit: Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson, Katie Holmes, Gary Oldman, Cilian Murphy Thomessen

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Erschienen bei: Warner Bros.

In jedem Batman-Film wird diese eine Szene verbraten, in der der kleine Bruce über seinen soeben erschossenen Eltern kniet, an ihrem Grab steht, um sie trauert und schließlich Rache schwört an dem ganzen Pack, das Gotham City Nacht für Nacht gefährlicher, korrupter, kaputter macht und langsam von innen aushöhlt. In allen anderen Filmen jedoch wird dieser Flashback lediglich als kurze Erklärung für Batmans Existenz eingeblendet und nach zwei Minuten geht man zur Tagesordnung über. Batman Begins nimmt sich nun ganz viel Zeit, um den tatsächlichen Werdegang von Bruce Wayne (Christian Bale) zum Dunklen Ritter zu erzählen, und das auf eine ganz phänomenale Art und Weise.

Es wird wieder düster, brutal und bedrohlich. Im 21. Jahrhundert bei Christopher Nolan laufen keinen knallbunten Wackos durch die Gegend, sondern mehr oder weniger ausgereifte Figuren, die beängstigend real sind. Das Markenzeichen von Nolan ist die Authentizität, die er in seinen Filmen (soviel kann man über The Dark Knight wohl schon sagen) anstrebt. Keine Unsterblichkeit, keine fünffachen Salti, keine Riesenhämmer oder Lazarusgruben. Nolan beschränkt sich auf das, was möglich ist, ohne comicbunt zu werden, interpretiert konsequent die Figuren und besonders die Schurken des Batman-Universums anders, als wir es gewohnt sind. Die Authentizität zu wahren klappt allerdings nicht immer, einzelne Szenen rutschen dann doch wieder in die Comicwelt ab, aber Nolan integriert sie so gut, dass man sie trotzdem mit Freuden annimmt. Vor lauter Staunen kommt man auch gar nicht zum rumkritteln. 

Batman Begins

Der Beginn des Films hüpft zwischen mehreren zeitlichen Ebenen hin und her. Zum einen in Bruces Kindheit, in der er mit seiner Sandkastenfreundin Rachel Dawes herumalbert und seine einschneidende Begegnung mit der Fledermausbesatzung der Höhle unter Wayne Manor, der späteren Batcave, hat. Die Fledermäuse wecken eine Urangst in ihm, die er lange Jahre nicht loswerden wird, und werden später zum Symbol für sein Alter Ego Batman, als Zeichen für die Angst selbst. Es ist eine Zeit, in der Bruces Vater Thomas Wayne der Wohltäter von Gotham City ist, eine Lichtgestalt, die von der verrottenden Basis ablenkt, der die Oberfläche der Stadt in der Abendsonne zum Leuchten bringt, während er mit seiner Familie in der von ihm jüngst erbauten Schwebebahn zum gemeinsamen Opernbesuch fährt, nach welchem nichts mehr so sein wird, wie es war.

Zum anderen sehen wir Bruce, wie er in einem Gefängnis in China von einem mysteriösen Mann zur Residenz von Ra's al Ghul (Liam Neeson) eingeladen wird, dem Anführer der sogenannten League of Shadows. Dort unterzieht Bruce sich, im Namen der Gerechtigkeit, einem harten Training, in dem er seine innersten Ängste überwindet, aber auch erkennt, dass er nicht in diese League gehört, da sein Gerechtigkeitssinn nun wirklich nicht mit dem von Ra's und seinen Mannen übereinstimmt – und dieser zudem ankündigt, den Hexenkessel Gotham City wie einst Rom und London zur Läuterung dem Erdboden gleich zu machen. Kenner der Materie horchen auf: An dieser Stelle wird zum ersten und einzigen Mal Ra's al Ghuls Unsterblichkeit leise angedeutet – seine Aussagen können aber jederzeit auch anders interpretiert werden. Schicker Kunstgriff, Nolan.

Batman Begins

Die dritte Ebene liegt zwischen der Kindheit und dem siebenjährigen Training, das Bruce in Asien auf sich nimmt. Und die ist ausschlaggebend für seine Wandlung in den Dunklen Ritter: Er trifft auf den Drogenboss Carmine Falcone (Tom Wilkinson), der ihm vorführt, wie fest seine Hand die Unter- und Oberwelt von Gotham City umschließt und dass der junge, knapp zwanzigjährige „Prince of Gotham“ zwar Mut, aber keinerlei Möglichkeiten hat, ihm beizukommen. 

Die Zeitebenen werden vereint, als Bruce aus Asien zurückkehrt nach Gotham City, bereit, den Schurken in den Arsch zu treten und seine Stadt, die inzwischen bar jeder Wohltäter völlig heruntergekommen ist, so dass sich im Prinzip keiner mehr auf die Straße wagt, zu retten. Als einzelner Mann, so weiß er, kann er das vergessen; als Symbol jedoch, als eine geheimnisvolle Gestalt, die Angst und Schrecken unter den Finsterlingen verbreitet, hat er eine Chance. Gemeinsam mit dem Leiter der Forschungsabteilung von Wayne Enterprises, dem alten, so viel Weisheit und Ruhe ausstrahlenden Lucius Fox (Morgan Freeman), und natürlich dem Wayne'schen Butler Alfred Pennyworth (Michael Caine, der der Figur Leben einhaucht, wie Michael Gough es in vier Filmen nie ganz geschafft hat), beginnt er mit der Arbeit an seinem zweiten Ich. Da sich Wayne Enterprises neuerdings der Herstellung von überteuren militärischen Gadgets verschrieben hat, findet Bruce im Keller seiner Firma alles, was er für seinen Auftritt braucht, von der Kevlarrüstung zum Monsterauto, von der Enterhakenpistole bis zum Gleiter-Umhang. Praktisch, sowas!

Angst macht sich jedoch nicht nur er zunutze. Gemeinsam mit Falcone terrorisiert Dr. Jonathan Crane (Cilian Murphy) mit einem Halluzinogen zum Sprühen seine Umwelt. Das Gift dafür wird von Falcones Drogenring in die Stadt geschleust. Doch so richtig ergeben die Machenschaften dieser beiden Schurken keinen Sinn für Batman. Rachel Dawes (Katie Holmes), inzwischen Bezirksstaatsanwältin, versucht, idealistisch wie sie ist, ebenfalls, das Rätsel aufzudecken und macht eine entsetzliche Entdeckung: Crane, der wegen seiner schauderhaften Maske, mit der er bei seinen Opfern die Wirkung seines Halluzinogens noch verstärkt, Scarecrow genannt wird, lässt das Gift in flüssiger Form in die Wasserleitungen von Gotham City ab und ist fröhlich dabei, die gesamte Wasserversorgung damit zu verseuchen. Im flüssigen Zustand ist das Gift vielleicht noch nicht so verheerend, doch Wayne Enterprises vermisst seit kurzem einen Apparat, der mittels irgendwelchen Mikrowellen - was weiß denn ich - dazu in der Lage ist, Flüssigkeit sofort zu vaporisieren! Wenn das nicht nach einem Plan riecht, der ganz Gotham auslöschen soll – und da kann ja wohl nur einer hinterstecken.

Es sind nicht viele, die Ra's al Ghul etwas entgegenzusetzen haben. Rachel wird von Batman mit einem Gegengift versorgt, ebenso Seargant James Gordon (Gary Oldman), der Polizist, der sich nach dem Tod seiner Eltern um ihn gekümmert hat, in dem Bats wenigstens noch ein paar Ideale gefunden hat und dem er wenigstens ein kurzes Stück über den Weg traut. Mut und Köpfchen sind jetzt gefragt – und der unglaublich tolle Tumbler! 

Ra's al Ghul kennt man als mantelumwehten, unsterblichen Wahnsinnigen, der in den Batman-Comics einen großen Handlungsstrang einnimmt und einer der mächtigsten Widersacher des Dunklen Ritters ist. Aus einer Liaison Batmans mit Ra's' Tochter Talia geht ein gemeinsamer Sohn namens Damian hervor – jede Menge Stoff also für einen eigenen Film. Nolans Ra's jedoch büßt fast alles ein, was aus den Comics bekannt ist. Trotzdem ist er eine fabelhafte Figur, der geheimnisvolle Drahtzieher im Hintergrund, bereit, Gott zu spielen, Batmans Mentor und gleichzeitig sein schlimmster Feind, eine Schlüsselfigur in seiner Entwicklung und Erkenntnis. Auch Dr. Crane alias Scarecrow wurde hervorragend an Nolans Batman-Welt angepasst und ist auch optisch mehr als passend.

Batman Begins

Es drängt sich bei Batman Begins unweigerlich ein Vergleich mit Frank Millers Meilenstein Batman: Das erste Jahr auf, der ja ebenfalls die Entwicklung von Bruce Wayne zu Batman erzählt. Einige Szenen übernimmt Nolan dankbar, man denke an die famose Rettung Batmans aus dem polizeiumstellten Arkham durch einen Schwarm Fledermäuse. Dann wieder wendet Nolan sich ab und spaziert in eine andere Richtung weiter. Miller konzentriert sich zudem auch stark auf die Geschichte Gordons, die im Film natürlich nicht weiter verfolgt werden kann. Es ist aber deutlich erkennbar, das Frank Millers Comic eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Batman Begins gespielt hat – davon abgesehen ist er ohnehin Pflichtlektüre und sei hier jedem ans Herz gelegt.
Es ist brillant, wie Nolan Batman zurück in die Schatten gezogen hat und sich auf dessen Innenleben und Entwicklung konzentriert hat statt auf knallbunte Schurken. Das ist auch eine Seite von Batman, und gerade nach diesem Film merkt man erst, wie viele Facetten diese Figur hat und dass man sie sehr genau betrachten muss, um sich dann für eine dieser Facetten zu entscheiden, die man darstellen möchte. Die schaurig-bunten, skurrilen Figuren eines Tim Burton gehören da ebenso zu wie die heruntergekommen Straßenschluchten und Psychogramme Christopher Nolans. Und die knallbunten Keilereien der TV-Serie mit Adam West haben ebenso ihre Daseinsberechtigung wie die Comics, die im Laufe des Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sind, und meinetwegen auch die Materialschlachten eines Joel Schumacher. Vereint werden all diese Aspekte übrigens auf eine gelungene Weise in Batman: The Animated Series, doch das ist eine andere Geschichte und soll an anderer Stelle erzählt werden.

Batman Begins

Batman Begins jedenfalls schlägt ein völlig neues Kapitel auf, mit neuen filmischen und auch erzählerischen Möglichkeiten, mit denen man an die Figur Batman und die sie umgebenden Themenkomplexe herangehen kann. So, und nun blicken wir gespannt auf The Dark Knight, Nolans Fortsetzung von Batman Begins, die dessen letzte Szene (für die ebenfalls Batman: Das erste Jahr Pate stand) aufnimmt und eine neue Geschichte daraus macht. Es wird zum ersten Mal eine Vergleichsmöglichkeit zweier verschiedener Schurkeninterpretationen geben - wenn wir jetzt mal die Serie aus den Sixties außen vor lassen - , die auf der anderen Seite eigentlich nicht zu vergleichen sind. Denn wie ich weiter oben schon sagte, es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, mit den Figuren umzugehen, und ebenso viele persönliche Präferenzen, dass es schwer wird, sich auf für einen objektiven Vergleich geeignete Punkte zu einigen.

Aber genug der Grübelei. Ich empfehle für den Vorabend eures The Dark Knight-Besuches dringend den (nochmaligen) Konsum von Batman Begins, um sich wieder in Nolans Universum einzufinden, um sich die Ohren warmdröhnen zu lassen und vor allem, um die Vorfreude auf den Nachfolger so richtig schön auf die Spitze zu treiben. Ich wünsche viel, viel Spaß!

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Text Copyright Anna-Selina Sander 2008
Bilder Copyright Warner Bros.

 

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