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Seite 1 von 2 System: PS2, XBox, PSP, PC
Japan / UK (2006), Produktion: Nobuyuki Minato, Mark Glossop, Steve Lycett, Lead Designer: Travis Ryan, Lead-Programmers: Ash Bennet, Sean Davies, Pete Ellacot, Lead Artist: Antony Ward, Graphic Designer: Chan Beaumont Erschienen bei: Sega Entwickler: AM2 / Sumo Digital Preis: ca. 45 Euro (Konsole), 30 Euro (PC) Es gab mal Zeiten, da ging es bei Videospielen um dynamisches Gameplay, Adrenalin und Replay-Value, nicht um 60 Stunden minimal-Umfang, 48,5 verschiedene Waffen und Zwischensequenzen bei denen sich der Eindruck aufdrängt, es wären keine Spiele-Entwickler am Werk sondern frustrierte Schmalspur-Filmemacher die es nicht zum richtigen Film geschafft haben. Und wenn dann mal ein Spiel das auf die klassischen Spielspaß-Ideale setzt ankommt, wird es direkt von der schlechtgelaunten Fachpresse mit Mittelmaß-Wertungen abgewatscht und landet binnen Wochen in der Grabbelkiste - so geschehen seinerzeit mit Sumo Digitals hervorragender Automaten-Konvertierung von OutRun 2 für die XBox. Superflüssige Grafik, großartiges Arcade-Fahrverhalten und hervorragendes Design zählen heute eben nicht mehr, der Tester von Welt schreit nach Realismus, 800 lizensierten Wagen und Strecken die auf echten Rennkursen basieren, egal wie dröge die Aussehen mögen.  Los geht´s: Während der Countdown runterzählt bringt der Fahrer das Auto mit einem verwegenen Manöver in die Startposition. Die Autos sind nicht so fein modelliert wie bei anderen Rennspielen, die meiste Grafikpower wird in die Umgebung investiert. (XBox)
Da ist es doch gut, dass Arcade-Veteran Sega sich einen feuchten Kericht um diesen neumodischen Schnickschnack schert und mit OutRun 2006: Coast 2 Coast einen dynamischen Arcade-Racer vom feinsten abliefert. Der ist nicht nur ein simples Update des famosen zweiten Teils, sondern bietet eine ganze Menge frischen Inhalt - 15 neue Streckenabschnitte, zahllose neue Geschicklichkeitsaufgaben und nebenbei noch ein ausgewachsener Online-Modus garantieren jede Menge Spielspaß fürs Geld. Und weil Sega seine Fans mag sind alle Strecken des Vorgängers ebenfalls mit von der Partie, 30 Abschnitte macht das insgesamt, besonders für Spieler ohne XBox ist das ein Grund zur Freude, da Teil 2 lediglich für Microsofts schwarzen Kasten erschien. Und bei dieser geballten Menge an Inhalt ist es durchaus zu verkraften, dass die Bonusstrecken aus Daytona 2 und Scud Race gestrichen wurden. Spielerisch wäre der nächste Verwandte neben den anderen Sega-Arcade-Rennspielen wohl Namcos Ridge-Racer Serie. Doch während man bei Ridge Racer fröhlich über Rundkurse fährt geht es bei OutRun im Grunde immer der Sonne entgegen. Jede Fahrt beginnt an der idyllischen Strandpromenade, am Ende eines Abschnitts wählt ihr eine von zwei Abzweigungen die euch in ein neues Gebiet führen. So kommt es schon mal vor, dass ihr in einem Rennen erst durch eine idyllische Alpenstrecke, später durch einen Wüstenabschnitt und schließlich durch die Ruinen von Macchu Picchu rast. Realismus ist hier nunmal unerwünscht, Abwechslung ist Trumpf. Und die gibt es zuhauf: Bei kaum einem anderen Rennspiel werden mehr unterschiedliche Szenarien geboten und bei kaum einem anderen Rennspiel sind diese auch noch so überzeugend inszeniert, die Umgebung ist eine wahre Augenweide, es kommt öfter mal vor, dass ihr staunend die Landschaft bewundert und dabei den Gegenverkehr ganz überseht.  Bei diesen prachtvollen Aussichten fällt es schwer, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Die enorme Weitsicht ist nur eine der stärken von OutRun, der verzicht auf die Umsetzung realer strecken gibt den Designern auch die Freiheit, die Kurse nach dem Prinzip des maximalen Schauwerts zu entwerfen. (XBox)
Spielbestimmendes Element bei allen OutRun-Spielen sind die Drifts. Die werden hier noch exzessiver betrieben als bei Ridge Racer, dank der hervorragenden Steuerung habt ihr euer Fahrzeug nach kurzer Zeit perfekt im Griff. Einfach ist OutRun deswegen aber noch lange nicht. Auch wenn es bei etwas Talent nicht allzu lange dauert, bis auch die schwierigeren Routen allesamt abgefahren sind (und der gemeine deutsche Tester gleich "Beschiss, viel zu kurz!!" blökt), kommt die wahre Herausforderung erst mit der Zeit. Der wichtigste Gegner bei OutRun ist nicht auf der Strecke zu finden, sondern in den Anzeigen: Der unbarmherzig herabzählende Countdown sitzt dem Spieler in den ersten Runden gnadenlos im Nacken und deutet bereits an, worum es geht: Hier dreht sich alles um die Bestzeit - perfekte Wagenbeherrschung und perfekte Kentniss der Strecke sind der Schlüssel zum Erfolg und was ist motivierender, als die eigene Bestzeit dann prachtvoll im Internet prangen zu sehen und all den anderen Spielern zu zeigen wer den längsten... pardon, wer der schnellste ist. Wichtig für die Motivation: Der OutRun-Spieler spielt niemals umsonst. Selbst wer bei seinem Versuch, die schwierigen Strecken zu meistern scheitert bekommt jeden gefahrenen Kilometer gut geschrieben und setzt diese in neue Autos oder andere Nettigkeiten um, Besitzer von PS2 und PSP-Fassung können gar den Spielstand konvertieren und die Boni der einen Version auch gleich in der anderen Nutzen. Ein Gimmick, aber dennoch nett.  Outrun geizt nicht mit schnieken Effekten: Bei dramatischen Manövern wird schonmal der Partikel-Effekt ausgepackt und die Funken erhellen die Strasse. Das Fahren aus der Stoßstangen-Perspektive ist übrigens nochmal eine ganz besondere Herausforderung für Schwindelfreie...
Die Kritik fällt hier minimal aus. Irgendwie sieht man dem doch an, dass es primär für die PS2 portiert wurde - so butterweich wie Teil 2 auf der XBox fallen weder die Sony, noch die Microsoft-Variante aus, auffallen wird das aber nur Kennern des Vorgängers. Besonders beeindruckend wirkt OutRun natürlich auf der PSP: Grafisch steht die Handheld-Fassung den großen Geschwistern in so gut wie nichts nach, nur die Steuerung gestaltet sich wieder einmal etwas komplizierter: Während der XBox-Spieler mit dem exzellenten S-Controller seinen Wagen mit träumerischer Sicherheit durch die fiesesten Kurven driften lässt müht sich der PSP-ologe mit dem unhandlichen Analog-Gnubbel Anfangs sogar dabei ab, den Wagen erstmal gerade auf der Strasse zu halten. Aber mit etwas Übung ist auch das zu schaffen. Unverständlicher sind da schon die Speicheranforderungen der PS2-Fassung: Über 1MB belegt ein Spielstand auf der gediegen teuren Memory-Card: Daran hat man erst einmal zu schlucken. Aber was solls - OutRun ist Arcade-Spielspaß vom feinsten ist für die in der Vergangenheit durchaus gebeutelten Sega-Fans ein wohltuender Spielspaß-Balsam. Es sieht toll aus, es fährt sich gut, es hat einen kultigen Soundtrack - da macht das Gasgeben einfach nur Spaß. Und das ist es ja schließlich, worum es bei einem Rennspiel in erster Linie geht. Ach ja, bevor ichs vergesse: Ein solcher Titel darf natürlich nicht ohne die obligatorische Sega-Litanei aufhören: "Lieber Herr Sega, bitte beglücke uns endlich mit Umsetzungen deiner anderen Arcade-Racer - gib uns eine tolle Compilation mit Sega-Rally, Daytona und dem heiligen Arcade-Gral Scud Race. Ihr ergebener Fan." Ach ja, bevor ichs vergesse: Klickt auf die nächste Seite, dort lest ihr was uns die Jungs bei Sumo Digital über das neue OutRun so gesagt haben!
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