Autor: Kai Meyer – Die Sturmkönige 1: Dschinnland Erschienen bei: LübbePreis: € 18,00 Die Sturmkönige: Dschinnland bei Amazon.de ISBN 978-3-7857-2336-4 Tarik al-Jamal ist der Han Solo von Samarkand, im 8. Jahrhundert nach Christi Geburt. Als Besitzer eines illegalen fliegenden Teppichs hat er sich als waghalsiger Schmuggler zwischen seiner Heimatstadt und Bagdad einen Namen gemacht, denn zwischen den beiden Städten reist seit einem halben Jahrhundert niemand mehr umher, dem sein Leben lieb ist. Vor 50 Jahren fielen die Dschinne, mächtige blutrünstige Zauberwesen in die Wüste Karakum ein, die Samarkand und Bagdad voneinander trennt. Sie begannen, rücksichtslos jeden hinzumetzeln, der es wagte, sich auf ihr Gebiet zu verirren, und so befinden sich die Einwohner von Samarkand heute in einem Käfig, aus dem es kein Entrinnen gibt. Regiert von einem selbstgerechten Statthalter des Kalifen von Bagdad ist das Volk mit den Jahren äußerst unzufrieden geworden, doch was nützt es, wenn man nicht rauskann? Tarik weiß ebenfalls nicht so recht, wohin mit all seinem Frust. Vor einigen Jahren hat er seine Geliebte Maryam bei dem Versuch, nach Bagdad zu gelangen, verloren. Sie war beim Zusammentreffen mit einer mysteriösen Zaubergestalt einfach verschwunden und ist mit Sicherheit tot. Unglücklicherweise hat Tarik sich darüber auch mit seinem Bruder Junis auf's Übelste verkracht, der ebenfalls einen Narren an Maryam gefressen hatte und Tarik nun mit Freuden die Schuld an ihrem Verschwinden/Tod gibt. Schönes Leben, das. Um nicht völlig kirre zu werden und wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen, fliegt Tarik illegale Teppichrennen durch Samarkand. Bei einem dieser Rennen macht er die schicksalhafte Bekanntschaft von Sabatea, einer Bewohnerin des Palastes des Emirs. Sie bittet ihn, sie schnellstmöglich nach Bagdad zu bringen, eine Bitte, die Tarik ihr nur zu gerne abschlägt. Als sie jedoch mit den gleichen Reizen, die sie schon bei Tarik eingesetzt hatte, Junis dazu bewegen kann, sie an ihr Ziel zu bringen, wacht Tarik auf. Kurz nachdem Junis mit Sabatea in die Wüste aufgebrochen ist, hetzt er ihnen nach – denn auch, wenn er Junis nicht mehr leiden kann, ihn will er nicht auch noch an die verhängnisvolle Karakum verlieren!
Die Tür zu einem neuen Meyerschen Universum hat sich ein Stück geöffnet und gibt den Blick frei auf große Dinge, die da kommen werden. Die typischen seltsamen, skurrilen Figuren lauern dahinter und warten, freigelassen zu werden, die Sonne des Morgenlandes lässt ihre Lichtstrahlen hindurchleuchten und Staubwolken, von fliegenden Teppichen und mordlüsternen Dschinnen aufgewirbelt, wehen einem Sand in die Augen. Das Setting ist bombig wie immer, nicht nur die dreckigen Gassen von Samarkand mit ihren zwielichtigen Bewohnern und falschen Verheißungen oder die gleißende Sonne und die verheerten Ruinen in der Karakum. Auch die von Feuer und Dunkelheit erfüllten Dschinnhöhlen, in denen das Lebendfutter einer ungewissen Zukunft entgegenhadert, saugt der Leser sofort mit Freuden in sich auf, begleitet wie ein blinder Passagier den wunderbar vergrätzten Tarik und die zauberhafte, aber natürlich nicht ganz von dunklen Geheimnissen freie Sabatea auf ihrer Reise nach Bagdad. Wie es sich für einen ersten Band gehört, passiert hier schon irre viel, aber selbstverständlich wird so gut wie nichts aufgelöst, im Gegenteil. Dschinnland ist eine schön gemachte Exposition der Figuren und ihrer Schicksale, die erst ab dem zweiten Band so richtig entfaltet werden und Möglichkeiten zum Handeln bekommen. Junis, Sabatea und Tarik sind wie es sich gehört, am Schluss getrennt und man ist gespannt, wie sie sich so schlagen werden. Ich bin natürlich überzeugt, dass den Leser im Frühjahr ein nervenzerfetzender zweiter Teil und im nächsten Sommer ein fulminanter Schluss erwartet. Bis dahin: Ab ins Morgenland! Copyright Text 2008 Anna-Selina Sander Copyright Cover 2008 Verlagsgruppe Lübbe |