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Gorilla des Monats

bernie 
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2:37 - Two Thirty Seven
Cover large Australien (2006)

Regie und Drehbuch: Murali K. Thalluri, Kamera: Nick Matthews, Musik: Mark Tschantz, mit: Theresa Palmer, Frank Sweet, Marni Spillane

Verleih: Autobahn

Preis: ca. 15€   2:37 - Two Thirty Seven (2 DVDs im Steelbook) bei Amazon.de

"Highschool is hell" - das ist schon lange bekannt. Um davon überzeugt zu sein, dass die Schulzeit für einen Amerikaner die schlimmste Zeit seines Lebens darstellt, braucht man nicht einmal ein Auslandsjahr, nur eine Handvoll Filme. Aber auch in Deutschland, England oder Neuseeland ist es keine leichte Zeit. Wer Glück hat, kommt unbeschadet durch und merkt nicht einmal, was mit den Menschen um ihn herum los ist. Aber ab und zu geht einer kaputt. 2:37 zeigt einen Tag aus dem Leben von sechs australischen Teenagern, von denen einer sich am Schluss umbringen wird.

Schwul, schwanger, missverstanden, inkonsistent, vernachlässigt, krank - einen Grund, sich in einem spontanen Aussetzer das Leben zu nehmen, hätten alle sechs. Doch zugleich haben auch alle Hauptcharaktere ihre kleinen Freuden und Träume, die sie mit leuchtenden Augen in die Kamera sprechen lassen. Sie sind doch auch normale Teenager, die sich erwachsener geben, als sie sind, Zukunftspläne haben und einander gefallen wollen. Alle sechs gehen auf die gleiche Schule, kennen sich flüchtig. Doch durch eine Reihe von Zufällen überschneiden sich ihre Leben an genau diesem Tag. Aber wer von ihnen wird um 2:37 tot auf einer Toilette gefunden?

JungsSchulflur

Der Regisseur Murali K. Thalluri ist 1984 geboren und war gerade mal 21 Jahre alt, als er diesen Film gedreht hat. Das Skript dazu schrieb er mit 19, angeblich bewegt durch seinen eigenen Selbstmordversuch und den Tod einer Freundin. Ob diese Geschichte wahr ist oder einen reinen Publicity-Gag darstellt, ist zunächst nebensächlich. Jeder denkt in der Pubertät mindestens einmal an Selbstmord. Man braucht ihn nicht am eigenen Leib oder in direkter Nähe erlebt zu haben, um sich in diese Handlung reinzufühlen.


Dass Thalluri jedoch so jung war und ein Autodidakt noch dazu, macht sich in jeder Minute des Films bemerkbar. Sowohl die Idee, die Geschichte mehrerer Schüler parallel zu erzählen, als auch ihre Umsetzung schreien so stark nach Elephant, dass sich niemand wundert, wenn im Abspann Gus Van Sant gedankt wird. Auch Thalluri arbeitet mit Laiendarstellern in einem quasi-dokumentarischen Stil. Doch "Elephant zeigt ein Ereignis aus verschiedenen Perspektiven. (...) Nicht Ursache und Wirkung. Das bringt ein Risiko, weil die Leute bei einem solchen Film klipp und klar gezeigt bekommen wollen, was Ursache ist und was die schrecklichen Folgen sind," erklärte einst der Produzent Dany Wolf. Deswegen lässt der Film seine Zuschauer sprachlos zurück.

PärchenUnterbelichtet

Thalluri macht aber genau das Gegenteil: Er überspitzt seine Figuren, gibt jedem von ihnen einen Grund, sich das Leben zu nehmen und setzt am Schluss auf den Überraschungseffekt, wenn der Selbstmörder schreiend in seinem Blut liegt. Genau das erwartet der Zuschauer jedoch auch, so dass der vom Regisseur gewollte Schock zunächst ausbleibt. Thalluris Helden sind überspitzt, auf ein schockierendes Detail folgt das nächste. Alle Figuren haben starke Probleme, über die man nicht einfach so sprechen kann und die ihnen nicht viel Zeit lassen auf ihre Umgebung zu achten. Es ist kein Wunder, warum sie nicht miteinander reden - dem Publikum bleibt also nur zu raten, wer am Ende sterben wird. Die gleiche Geschichte mit sechs normalen Teenagern inszeniert, die sich mit Eifersucht, strengen Eltern und Übergewicht quälen, würde, auch ohne den angekündigten Selbstmord, für ein sprichwörtliches Druchleben von Mitleid und Furcht sorgen. Roger Avary gelingt es mit The Rules of Attraction, weil jede seiner Figuren zwar einen Selbstmordgrund in sich trägt, dieser aber nicht ihr Leben bestimmt. 2:37 bleibt aber nur ein gut konstruiertes akademisches Beispiel, der als Reaktion höchstens "Ja, so ist es. Hat er fein gemacht für sein Alter," erwarten darf.

Text Copyright Darina Goldin 2008
2:37, Bilder, Cover Copyright Autobahn/Kojo Pictures/Arclight Films/M2 Entertainment

 
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