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Schmitz' Katze – Lesung mit Ralf Schmitz im Streit's Filmtheater Hamburg, 14. Oktober 2008 Schmitz' Katze für 8,95€ bei Amazon.de
Bei Katzenbüchern stellt man sich immer sentimentale ältere Damen vor, die die putzigen Beobachtungen, die sie an ihren Tigern angestellt haben, zu Papier bringen, um andere ältere Damen oder einfach generell Damen zu beglücken. Dann gibt es noch Krimifreunde wie Akif Pirincci mit seinen Felidae-Romanen oder wirklich tolle Katzenromane wie die gerade erscheinenen Warrior Cats von Erin Hunter (unendlich dämlicher Titel, wenn man mich fragt). Und plötzlich hat man ein Katzenbuch von dem deutschen Comedian Ralf Schmitz in der Hand. Wenn der dann auch noch eine Lesung dazu veranstaltet – na ja, könnte ja ganz witzig werden! Wurde es auch.
Wenn Männer Katzengeschichten schreiben, sieht es immer ein bisschen so aus, als würden sie im falschen Revier jagen. Katzen sind irgendwie tradierte Frauentiere, aber Ralf Schmitz war das ziemlich egal, als er als kleiner Junge die schrecklich hässliche Katze Minka aus dem Tierheim rettete (Klischeealarm? Egal.). Er würde 23 Jahre plus das, was die Zukunft bringt, mit dieser Katze verbringen – Zeit, sich den Menschen darüber mitzuteilen. Die Bühne des Streit's ist sehr stimmungsvoll eingerichtet, mit einem roten Ledersessel, mit dem später eine ganz besondere Geschichte verknüpft wird. Drum herum wurden Kratzbäume, Katzensessel, ein Katzenklo und ein Tischchen mit jeder Menge Tee drapiert, eine fantastisch - gruselige Kulisse.
Als Ralf Schmitz nach einem „Vielen Dank für die Blumen“-Intro diese Stätte seines Wirkens betritt, tost ihm bereits euphorischer Applaus entgegen. Geschwind hüpft er auf die Bühne, kredenzt sich grünen Tee und lässt einen Redeschwall auf das Publikum los, dass man denkt, dieser Mensch sei die lebende Kombination aus schwarzem starkem Kaffee, Speed und einem bedenklichen Fall von Hyperaktivität. Worte brausen dem Publikum in Rekordgeschwindigkeit um die Ohren, so dass selbst routinierte Schnellsprecher wie ich erstmal ins Trudeln geraten. Die Lesung seines Buches Schmitz' Katze gestaltet sich dann auch als wirklich abwechslungsreich, zumal Schmitz es ja nie lange an einem Fleck bzw. einem Sessel aushält, sondern für jedes zweite Kapitel aufspringt und gestukulierend durch die Gegend rennt, um einzelne Geschichten nicht langweilig zu lesen, sondern einfach zu erzählen. Dazu ist er schließlich Comedian und Comedians sitzen nicht gerne an einem Fleck und lesen vor, zumindest dieser hier nicht.
Vom eigentlichen Thema schweift er auch gern hin und wieder ab, blödelt mit Tee und Snacks herum („Und wie war die Lesung?“ „Och...“ „Hat der auch gelesen?“ „Nee, eigentlich nur gegessen...“) und muss oft Kapitel mehrmals anfangen, weil er plötzlich von krampfhaften Lachanfällen ob dessen, was da kommen möge, geschüttelt wird. Man fragt sich, nachdem man dem Drang, ihn einfach sofort umzubringen, widerstanden hat, ob das alles Show sein soll oder ob der einfach wirklich so ist. Der kätzische Inhalt ist wunderbar unsentimental, es geht mitnichten um bewundernde Ausrufe und Bekundungen von Liebe, denn die bringt man den Viechern ja ohnehin entgegen. Nein, es geht um bodenständigere Sachen, um das Leben mit diesen egozentrischen Biestern. Um den Geruch von Katzenpisse („Worte wie Pipi oder Urin werden dem einfach nicht gerecht!“) in Sessel und Teppich, nach deren Verguss eigentlich nur noch der unmittelbare Umzug in eine andere Wohnung was hilft – ohne irgendwas mitzunehmen. Um dezibelstarkes Miauen vor der Balkontür, um Selbstüberschätzung beim Salamibrotklauen, um dreibeinige Alkoholikerkatzen und um Verschwörungstheorien bezüglich der unbemerkten Verteilung von Katzenstreu in der Bude. Keinesfalls ein literarisches Kleinod, definitiv eher was zum Erzählen als zum Lesen. Trotzdem, ein frischer Wind bei den Katzengeschichten und -ratgebern, so macht das doch wenigstens Spaß.
Die Leute danken es ihm, zustimmendes Brummen ist bei jedem Thema aus dem Nachbarsessel zu hören, nach jedem Kapitel gibt es dicken Applaus, der am Ende gar nicht aufhören will.
Ich mag Lesungen ja sehr gerne, aber sie könnten wirklich öfter so sein wie diese hier. Es sollte ja meiner Meinung nach bittebitte nicht jeder Bühnenmensch ein Buch schreiben, aber wenn es dann so performt wird wie Schmitz Katze – mehr davon! Text Copyright Anna-Selina Sander 2008 Bilder Copyright Ralf Schmitz |