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Gorilla des Monats

bernie 
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Star Ocean - First Departure

soSystem: Sony PSP
Japan (2008)

Entwickler: tri-Ace
Erschienen bei: Square Enix
Preis: ca. 40 Euro Star Ocean - First Departure bei Amazon.de 

Star Ocean.... Hrmpf. Ich gebe zu, nach der Tales-Reihe ist Star Ocean die RPG-Serie, die mich so ziemlich am wenigsten interessiert. Mit den beiden bisher im Westen erschienenen Episoden Star Ocean 2nd Story für PSone und Star Ocean: Till the End of Time für PS2 bin ich so garnicht warm geworden. Typisch überladene Tri-Ace-Systeme, ein für meinen Geschmack viel zu hektisches Kampfsystem und vor allem das schlimmste aller Design-Elemente, AI-kontrollierte Party-Mitglieder, haben es mir leicht gemacht, die Reihe zu ignorieren. Also keine gute Voraussetzungen für das PSP-Remake der ersten, nur in Japan für den Super Famicom erschienenen Episode, nicht wahr? Aber weit gefehlt - nach etlichen Stunden mit Star Ocean - First Departure bin ich nun bereit, meine Meinung über die Reihe an sich zu überdenken.

Dabei ist die Entstehungsgeschichte des ersten Star Ocean fast spannender als der Plot an sich... Da war nämlich dieser fleißige Entwickler namens Wolfteam - im Westen bestenfalls wohl bekannt durch berüchtigte Mega CD FMV-Titel wie Time Gal. Die emsigen Leutchen von Wolfteam bastelten an einem Mammut-RPG names Tales of Phantasia und waren auf der Suche nach einem Publisher. Der war auch mit Namco bald gefunden. Aber Namco hatte da noch so seine eigenen Ideen, redete kräftig ins Spieldesign mit hinein und so verließ schließlich ein guter Teil des Teams die Truppe und gründeter tri-Ace, erster Titel des neuen Studios sollte dann eben Star Ocean sein. Und der hatte es in sich: 48Mbit-Speicher, extrem liebevolle Grafik, Sprachausgabe... Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, Star Ocean ist das technisch mit Abstand ausgereifteste 16-Bit-RPG überhaupt.

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Leider ist das auch der meiner Meinung nach große Haken des Remakes: Aus dem grafisch fulminanten 16-Bit-Epos wurde im Remake ein durchschnittliches 32-Bit-Render-RPG mit nichtmal allzu liebevoll gestalteten Hintergründen und meist ziemlich unscharfen Sprites. Rauschende Bäche stehen still, bewegte Details sind in den Szenarien meist die absolute Ausnahme und wenn es sie gibt, sind sie oft ganz billig als Sprite (mit weit schrillerer Farbgebung) in den Hintergrund eingefügt, das haben auch schon die meisten PSone-Render-RPGs schöner hingekriegt. Ebenfalls PSOne-Niveau hat die Weltkarte. Grob-polygonal und bestenfalls mal zweckmäßig kommt diese daher... das geht doch wirklich schöner.

Zum Glück ist da dann aber der exzellente Spielfluss, der diese Kritikpunkte souverän wett macht. Gerade in den ersten Stunden stolpert der Plot fast schon über seine eigenen Füße, so schnell rennt er voran. Manche Events hätte man durchaus etwas harmonischer verknüpfen können, trotzdem hält euch die hohe Spielgeschwindigkeit in den ersten Stunden gut bei der Stange. Und sobald der Plot etwas das Tempo raus nimmt, springt sofort das Skill-System in die Bresche und sorgt für die richtige Motivation. Denn jeder Level-Up bringt euch neben einem satten Werte-Bonus auch einen guten Batzen Skill-Punkte, mit denen ihr verschiedenste Talente erwerben könnt. Mut, Kunstfertigkeit, Pfeifen auf zwei Fingern, geübter Umgang mit dem Messer und natürlich auch diverse Kampf-Skills werden so erworben. Das Tolle dabei: Durch Kombination verschiedener Talente steigert ihr nicht nur eure Werte, ihr lernt auch verschiedenste Fertigkeiten. Und wenn ihr neben dem klassischen Kochen auch in den ersten Stunden gleich herausfindet, wie ihr die Zahl der Zufallsbegegnungen erhöhen oder senken könnt, dann merkt man direkt, dass die Entwickler hier wirklich mitgedacht haben.

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Aber so manche Sparmaßnahme müssen wir doch kritisieren. Warum wurde so bei den Sprites gespart? Nehmen wir Heldin Ilia. Die läuft anfangs in typischen Sci-Fi-Klamotten rum, muss aber in der späteren Fantasy-Umwelt natürlich die Garderobe anpassen. Gut, das Charakterportrait ändert sich, das Sprite bleibt dagegen das gleiche - jetzt verstehen wir auch, warum Ilias Sprite Anfangs so garnicht zum Portrait auf dem Bildschirm passen wollte. Da war der Aufwand, ein zweites Sprite zu zeichnen wohl zu groß....

Eine weitere Warnung sei auch noch ausgesprochen: Wer von Star Ocean eine Art JRPG-Mass Effect erwartet, der wird leider enttäuscht. Neben ein paar Star Trek-mäßigen Elementen bewegt sich das Spiel größtenteils im klassischen Fantasy-RPG-Fahrwasser - wie meistens erledigt ihr blanker Klinge Fantasy-Monster in Fantasy-Welten, besucht Fantasy-Städte und trefft vor allem Fantasy-Charaktere, das weite All bleibt euch hier leider größtenteils verschlossen.

Trotzdem: Star Ocean - First Departure ist ein echtes Qualitäts-RPG mit allen Elemente, die das Genre überhaupt so motivierend machen - spaßiges Level, hohe Spielgeschwindigkeit, sympathische Helden - alles drin, alles dran. Und so kann Star Ocean spontan ganz weit oben auf der PSP-Hitliste Platz nehmen. Habt ihr keine Probleme mit den englischen Texten, dann sollten PSP-Rollenspieler ganz dringen einmal einen Blick auf das Spiel werfen.

Text Copyright Thomas Nickel 2008
Bilder Copyright Square Enix

 
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