UK (2007-2008) Umfang: 13 Episoden (je 30 Minuten), ein Special (60 Minuten) Buch: James Corden, Ruth Jones, Regie: Christine Gernon Darsteller: Matthew Horne, Joanna Page, James Corden, Ruth Jones, Allison Steadman, Larry Lamb, Rob Brydon, Melanie Walters, Julia Davis, Adrian Scarborough, Steffan Rhodri Erschienen bei: 2Entertain Preis: ca. 25 € Gavin & Stacey Series 1 & 2 bei Amazon.co.uk Wir alle kennen die Geschichte: Junge trifft Mädchen, Junge und Mädchen verlieben sich, verloben sich und kommen schließlich zusammen unter die Haube. Unter tosendem Gejubel schließt sich der Vorhang und eine weitere Love Story hat ihr ... nun, nicht unbedingt wohlverdientes aber zumindest vorhersehbares Happy End erreicht. Was aber, wenn die Geschichte zu diesem Zeitpunkt erst richtig anfängt? Und was, wenn die Charaktere nicht ganz so problemlos „glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ sein können? Tja, dann befinden wir uns wohl bei Gavin & Stacey, einer BBC-Comedy, die derzeit für ähnliche Furore sorgt wie es einstmals Produktionen vom Schlage eines Spaced oder The Office vermochten. Nein, „Gavin & Stacey“ ist keine euphorische Lobpreisung des Geek-Lebens oder erschütternd realistische Darstellung des monotonen Arbeitsalltags, sondern einfach nur eine altmodische Liebesgeschichte. Aber dank glaubhafter, vor Persönlichkeit nur so strotzender, Charaktere, einer liebenswert mundanen Weltsicht, der kompletten Abwesenheit klischeebeladener Filmmelodramatik und dem grandios pointierten Humor hat sich diese kleine, unprätenziöse Sendung innerhalb kürzester Zeit zu einem modernen Klassiker entwickelt.
  Und dabei ist die Prämisse erstaunlich simpel: Unsere Protagonisten Gavin Shipman (Matthew Horne) und Stacey West (Joanna Page) sind ganz normale junge Erwachsene. Beide haben langweilige Bürojobs, beide leben noch bei ihren Eltern und beide ... haben sich noch nie gesehen. Kein Wunder, denn während Gavin in Billericay, einer Kleinstadt im malerischen Essex, seinem Alltag nachgeht, lebt Stacey im verschlafenen walisischen Inselkaff Barry. Als sich die beiden dann schließlich auf beruflicher Ebene am Telefon kennen lernen, entsteht aber wesentlich mehr als eine Arbeitsbeziehung. Und so kommt es, wie es kommen muss. Nach unzähligen Telefonaten auf Firmenkosten verabreden sich die angehenden Turteltauben zu einem ungezwungenen Treffen in London. Und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Wie nicht anders zu erwarten, sprühen vom ersten Moment an die Funken und bereits wenige Wochen später entscheiden sich Gavin und Stacey, den Bund fürs Leben zu schließen. Aber ganz so einfach ist es dann natürlich doch nicht, denn schließlich haben sowohl Gavin als auch Stacey Freunde, Familie und ein Zuhause. Und plötzlich stoßen zwei Welten aufeinander ...
  Zugegeben, wirklich originell ist dieses Konzept nicht, aber jede einzelne Figur ist dermaßen gut charakterisiert, dass sie problemlos ihre eigene Serie tragen könnten. Da wären zum Beispiel Smithy (James Corden) und Nessa (Ruth Jones) die respektive besten Freunde von Gavin und Stacey. Corden und Jones, die sich auch für die Drehbücher der Serie verantwortlich zeichnen, haben mit diesen Figuren die perfekte Möglichkeit gefunden, um selbst dem kleinsten Anflug von Rührseligkeit im richtigen Moment den Riegel vorzuschieben. Die absurde Beziehung zwischen dem korpulenten, jovialen Zimmermann und der nicht weniger schwergewichtigen, selbsternannten Renaissancefrau ist ebenso ungewöhnlich wie faszinierend. So viel steht fest, die Chemie zwischen Smithy und Nessa stimmt nicht mal im Ansatz und sie empfinden keinerlei Sympathie füreinander. Nein, wir reden hier nicht von zwei streitlustigen Gegenpolen, die ihre wahren Gefühle durch bissige Verbalattacken maskieren, sondern von zwei Menschen, die normalerweise nicht einmal freiwillig miteinander sprechen würden. Aber trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist das emotionslose, unromantische Zusammenspiel der beiden eine absolute Freude. Fast wie ein moderner griechischer Chor kommentieren die beiden schonungslos die Wirbelwindromanze ihrer besten Freunde und verleihen der Serie damit eine Bodenständigkeit, die nur selten im Genre der Romantic Comedy zu finden ist.
  Auch der Rest des Ensembles ist absolut grandios. Allison Steadman und Larry Lamb überzeugen in den Rollen von Gavins bodenständigen Eltern Mick und Pam auf ganzer Linie und Comedystar Rob Brydon stiehlt dem Rest des Ensembles als Staceys liebenswert naiver Onkel Bryn jede Szene unter der Nase weg. Umso besser also, dass auch die Nebenfiguren jede Menge zu tun kriegen. Letzten Endes ist es fast schon egal, wer gerade im Mittelpunkt steht, wenn das komplette Ensemble so perfekt zusammenarbeitet. Die Charaktere sind ohne Zweifel das Herzstück von Gavin & Stacey und sowohl der Humor als auch das Drama entstehen exklusiv durch die hervorragend durchdachten Persönlichkeiten . Keine Entwicklung erscheint unglaubwürdig oder hanebüchen und falls es dann schließlich mal dramatisch oder sentimental wird, sind diese Momente auch wirklich verdient! Nein, absurde Plotentwicklungen kommen der jungen Liebe von Gavin und Stacey nie in die Quere. Egal ob etwas schiefgeht oder glattläuft, lassen sich alle Ereignisse stets direkt auf die Charaktere zurückführen. Gavin & Stacey ist lebensnah, bewusst unspektakulär und Lichtjahre von der typischen Hollywood-Konfektionsware entfernt, die einem aus diesem Genre sonst zynisch ins Gesicht lacht. Corden und Jones haben mit ihren ehrlichen, aufrichtigen Drehbüchern eine Welt erschaffen, die nur durch den geschliffen pointierten Humor von der Realität entrückt zu sein scheint. Seit „The Office“ gab es keine britische Comedy mehr, die dermaßen mühelos Humor und Drama zu einem fast makellosen Gesamtbild vermischt hat. Wer sich hier nicht bestens unterhalten fühlt, hat wirklich ein Herz aus Stein! Text © Peter Clausen 2009 Bilder © Baby Cow Productions, BBC, 2008 |