|
Chris Hülsbeck, zu 8- und 16-Bit-Zeiten bekannt als der Sound-Magier erfüllte sich mit dem Symphonic Shades Konzert im August 2008 einen lebenslangen Traum. Dabei waren seine Anfänge so bescheiden – als Gewinner eines Wettbewerbs im 64'er Magazin wurde Publisher Rainbow Arts auf das junge Talent aufmerksam, bald darauf traf er die Mannen von Factor 5 rund um Julian Eggebrecht, das Ergebnis der Zusammenarbeit waren legendäre Soundtracks wie die der Turrican-Spiele oder das neue Titellied der Amiga-Fassung von Irems Baller-Klassiker R-Type. Später begleitete er Factor 5 nach Kalifornien und arbeitete dort nicht nur an den epischen Scores der Rogue Squadron-Spiele, sondern entwickelte auch diverse Musik-Software. Wir haben mit Chris Hülsbeck über das kommende Konzert gesprochen.
Thomas Nickel: Chris, dein erstes Album trug den Titel Shades – das war 1991. 17 Jahre später trägt dein eigenes Konzert diesen Titel. Bist du jetzt am Ziel oder ist das immer noch erst der Anfang? Chris Hülsbeck: Das ganze empfinde ich auf jeden Fall als Meilenstein und deshalb passt auch die Wahl des Titels, mit dem alles angefangen hat. Natürlich hoffe ich auch, dass es weitergeht und vielleicht ist es auch der Anfang von einem neuen spannenden Abschnitt in meinen Leben. Thomas Nickel: Kannst du uns etwas über die Auswahl der Stücke sagen? Waren dir manche besonders wichtig? Gab es welche, die du nicht dabei haben wolltest? Chris Hülsbeck: Vor allem wollten wir alle großen Klassiker dabei haben. Grundsätzlich gibt es nicht viel, was nicht interessant wäre mit dem Orchester umzusetzen, aber wir haben ja nicht unbegrenzt Zeit. In jedem Fall glaube ich, dass wir eine sehr gute Mischung im Programm haben. Thomas Nickel: Wie gestaltet sich denn die Arbeit mit Jonne Valtonen bei den Arrangements? Chris Hülsbeck: Jonne bekommt von mir teils vorarrangierte Midi-files und mp3s von den Originalstücken als Basis und arbeitet die Musik dann so um, wie es gut vom Orchester gespielt werden kann. Das beinhaltet aber nicht nur die Wahl der Instrumente, sondern auch ästhetische Aspekte, damit es echt symphonisch klingt. Dann bekomme ich die vorläufigen Partituren und wir können noch Änderungen besprechen. Den letzten Feinschliff werden wir zusammen bei den Proben machen. Jonne ist auch in Person ein sehr netter Mensch und ich bin sehr dankbar ein so gutes Team für die Produktion zu haben. Thomas Nickel: Kannst du darüber sprechen, warum du nicht den Soundtrack zu Lair geschrieben hast? Wie war denn die Zusammenarbeit mit einem anderen Komponisten? Musstest du dich da eher zurücknehmen oder ging das eher Hand in Hand? Chris Hülsbeck: Das hatten wir unserem Publisher zu verdanken, der sich fest in den Kopf gesetzt hatte einen Hollywood Komponisten zu engagieren. Ich war natürlich etwas enttäuscht, aber wenigstens hat er gute Kompositionen geliefert und war generell ein sympathischer Typ. Natürlich war es für mich immer noch sehr viel Arbeit, die Musik von ihm zu editieren und in das Spiel zu integrieren, da er sich mit so etwas gar nicht auskannte. In sofern habe ich das Beste aus der Situation gemacht.  Umstritten: Das opulent präsentierte Lair hat seine spielerischen Probleme und ist eines der wenigen Factor 5-Spiele für die Chris Hülsbeck nicht die Musik komponiert hat.
Thomas Nickel: Neben Kompositionen hast du dich auch viel mit der technischen Seite hinter Spielemusik beschäftigt. Reizt dich der technische Aspekt, oder die reine Komposition mehr? Chris Hülsbeck: Die Komposition hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen, aber auch die technische Seite macht immer noch Fortschritte. Wir haben jetzt die Möglichkeit, Elemente der Musik in Echtzeit während des Spielverlaufs neu abzumischen und das eröffnet ganz neue Dimensionen. Und die Qualität hat mit der neusten Generation noch einmal drastisch zugelegt, so dass wir inzwischen Musik-CDs vom Sound her locker in den Schatten stellen können. Thomas Nickel: Wie siehst du die Entwicklung in der Spielemusik in den letzten Jahren? Hat die Musik von den technischen Möglichkeiten profitiert oder hat sie gar an Kreativität eingebüßt? Chris Hülsbeck: Es gibt inzwischen absolut grandiose Spielesoundtracks, die sich mit Hollywood messen können und in einigen Fällen sogar übertrumpfen. Insofern ist es eine sehr spannende Zeit, in der Spielebranche tätig zu sein. Das einzige, was ich manchmal vermisse, ist die Verspieltheit der frühen Spielemusik. Aber da kann man einfach mal den Emulator anschmeißen und in Nostalgie schwelgen. Thomas Nickel: Was macht dir persönlich mehr Spaß? Ein System wie den Amiga akustisch bis zum letzten Auszureizen oder bei den aktuellen Systemen technisch quasi aus dem Vollen schöpfen zu können? Chris Hülsbeck: Irgendwann kommt man einfach an einen Punkt, wo man fühlt dass man alles aus einen System rausgeholt hat und dann sucht man sich eine neue Herausforderung. Für unser letztes Projekt haben wir erstmals alles in Mehrkanal / Surround abgemischt und es war eine echte Aufgabe, die Datenflut zu bändigen. Thomas Nickel: Eine letzte Frage: Wie reagierst du heute auf das Thema Star Wars? Chris Hülsbeck: Das fällt im Moment unter die Rubrik "abgeschlossen". Ich bin immer noch ein großer Star Wars Fan und stolz auf unsere Spiele zu dem Thema, aber es war auch Zeit, mal wieder etwas anderes zu machen. Text Copyright Thomas Nickel 2008 Bilder Copyright Chris Hülsbeck, WDR, Sony/Factor 4 |