Gorilla des Monats

hairilla
Home arrow Filme arrow Goldene Zeiten
Goldene Zeiten

goldene ZeitenDeutschland  (2005)

Regie: Peter Thorwarth, Buch: Peter Thorwarth, Alexander M. Rümelin, Kamera: Jan Fehse, mit: Dirk Benedict, Ralf Richter, Wotan Wilke Möhring, Alexandra Neldel, Wolf Roth 

Der Deutsche Kinogänger liebt es, in Schubladen zu denken. In einer Komödie will er lachen und sonst nix. In einem Horrorfilm will er sich ordentlich gruseln, alles andere ist da unerwünscht. Und wenn Peter Thorwarth der ja die zwei Komödien Bang Boom Bang und Was nicht passt wird passend gemacht gedreht hat einen neuen Film in Kinos bringt, dann hat das gefälligst wieder eine Ruhrpott-Komödie zu sein. Und wenn es keine ist, dann ist es trotzdem eine. Wo kämen wir denn da hin, wenn da einfach ein Regisseur mal was anderes machen will!

Und so erklärt es sich auch, dass Goldene Zeiten, der eigentlich der krönende Abschluss von Torwarths Unna-Trilogie hätte sein sollen stillschweigend unter Ausschluss er Öffentlichkeit im Kino begraben wurde. Man kann sich die Szene richtig vorstellen: Die oberen von Senator-Film erwarteten einen Film in der Art der beiden Vorgänger. Aber auch wenn es bei Goldene Zeiten einiges zu lachen gibt ist der Tenor des Films um einiges härter und fieser. Und was passiert? Die grummelnden Geldgeber lassen das Werk das sie nicht einordnen können fallen wie eine heiße Kartoffel, ein neuer Verleih muss her und so kommt der Film dann mit minimaler PR, dafür aber mit maximaler Verspätung in die Kinos und nur ein Bruchteil der Zuschauer der Vorgänger löst das Vorstellungsticket. 

"Kannst du die Alte nicht zu Hause hengstern?"

Dabei macht Thorwarth den Umstieg in die neue, fiesere Unna-Welt doch tatsächlich sehr leicht. Alte Bekannte wie Christian Kahrmann alias Mark Kampmann von Kampmann-Tuning oder Publikumsliebling Ralf Richter als Zuhälter Harry Grabowski sind gute Hangelpunkte bis der Zuschauer sich auf den neuen Tonfall eingestellt hat. Trotzdem hatten vor allem die Kritiker damit wohl ihre Probleme. Denn auch wenn die Figuren zunächst wie Karikaturen wirken und auch oft ihre lustigen Szenen haben sind sie eben doch oftmals richtig fiese Schweine die gerne auch mal über Leichen gehen.

john striker kettwich
Amerikanische Großkotzigkeit und deutsches Spießertum: Der vermeintliche Douglas Burnett lebt auf großem Fuß, Kassenwart Kettwich argwöhnt derweil, dass sein Schusswaffenschwenkender Vereinspräsident Dreck am Stecken hat... 

Der schönste Vorwurf den so einige Kritiker durchklingen lassen ist, dass der Film tatsächlich wie ein Film aussieht. Torwarth und sein Kameramann Jan Fehse produzieren hervorragende Bilder, der permanente leichte Überbelichtung der Szenen lässt die Darsteller gleich viel makelloser wirken, die hervorragenden Kamerafahrten zeugen vom Aufwand den die Crew betrieben hat – der Kran muss wahrhaft gewaltige Ausmaße gehabt haben. Aber durch makelloses Äußeres liefert man ja schlechtgelaunten Kritikern auch gleich wieder neuen Zündstoff. Armes Deutschland.

"Sternbrötchen heißen die, glaub' ich. Die Rosettenbrötchen!"


Leidtragende am Verleih-Kritiker-Fiasko ist neben Regisseur Thorwarth und seiner Crew vor allem mal der deutsche Kinogänger. Denn der wurde durch Ignoranz und Inkompetenz darum gebracht, einen unverschämt unterhaltsamen Film dort wo er hingehört – im Kino – zu bestaunen. Denn Goldene Zeiten macht trotz aller Bosheit der Figuren einfach unverschämt viel Spaß. Einen großen Anteil daran haben die Schauspieler – allen voran Dirk Benedict, Ralf Richter und Wolf Roth. Letzterer spielt tatsächlich ein Arschloch sondergleichen. Der schmierige Präsident eines Golfclubs leitet Geld auf seine Konten wo er nur kann, lügt, betrügt und leistet sich im Verlauf des Films noch etliche weitere Schoten und wird dabei mit einem Genuss gespielt, dass es einfach eine Freude ist, ihm zuzusehen. Über Ralf Richter muss man eigentlich gar nicht mehr reden. Die Idee, ihm den ganzen Film über eine Halskrause zu verpassen ist famos, die Figur Harry selbst ist sowohl bedrohlich, als auch urkomisch: "Monique, Giselle, Tatjana – her zu mir!"; " Wenn du dich bei der Dame noch ein einziges mal im Ton vergreifst, dann gehen wir zwei raus und regeln das wie Männer! Is' dat klar?"; " Ob dat wohl ma meine Lieblingsserie war?!" – so gut wie jede von Richters Zeilen wird zumindest in Gorilla-Kreisen Eingang ins aktive Zitat-Repertoire finden.

"You can run - but you can't hide!"

Unbedingt preisverdächtig: Dirk Benedict. Der Ex-A-Team und Kampfstern-Galactica-Star liefert eine Performance die unmissverständlich zeigt, welchen Spaß der Amerikaner an der Rolle hatte – ein abgehalfterter 80er Jahre Action-Star der gar nicht echt ist sondern von einem deutschen Schauspieler mit Halbglatze gegeben wird und permanent zwischen großspuriger Selbstüberschätzung und völliger Panik schwankt – famos! Und auch die Nebenrollen überzeugen – der ukrainische Killer, die komplett getunte Frau des Golfclub-Präsidenten, der erschreckend normale Kassenwart des Golfvereins Kettwich... Ausfälle gibt es so gut wie nicht.

harry frau
Frauenprobleme: Während Zuhälter Harry seine verliehene Giselle nach einer wilden Nacht mit Douglas Burnett vermisst geht die Freundin von Sympathieträger Ingo mit dessen Chef auf Mallorca fremd.

Da ist es etwas schade, dass ausgerechnet die Identifikationsfigur Ingo, gespielt von Wotan Wilke Möhring etwas blass bleibt – Ingo ist einfach etwas weniger skrupellos als die anderen und etwas netter, dafür ist ihm auch so etwas wie ein Happy End beschienen – notwendig ist die Figur nicht wirklich. Das gleiche gilt für Alexandra Neldel die ihre Rolle aus Bang Boom Bang wieder aufgreift und natürlich sofort zum Love-Interest für Möhring wird und eigentlich nicht allzu viel zum Plot beiträgt. Und so gut der Film ist, seine Macken hat er dennoch – dem Spaß tut das aber keinen Abbruch.

Leider ist das Kind eben schon in den Brunnen gefallen – der Film ist an der Kinokasse kolossal gefloppt. Bleibt zu hoffen, dass die DVD-Einnahmen da noch etwas rausreißen. Die Verleih-Scheibe ist vor kurzem erschienen, die Verkaufsversion kommt (auch als üppige Doppel-Disc) erst im Oktober in die Läden. Daher ergeht unser Aufruf an alle: Lasst euch noch von der schwachen Kino-Performance und den schlechten Kritiken täuschen – Goldene Zeiten sieht nicht nur extrem schnieke aus, er ist auch toll geschrieben und ganz famos gespielt. Und dabei trotz allen Hollywood-Anleihen durch und durch ein deutscher Film. Und das ist hier mal nicht negativ gemeint.

Text Copyright 2006 Thomas Nickel
Filme, Verpackungsartwork, Screenshots Copyright Peter Torwarth / E-M-S

 

 
< zurück   weiter >
© 2010 www.g-wie-gorilla.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.