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Gorilla des Monats

bernie 
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Die Toten Hosen - In Aller Stille
In Aller StilleDie Toten Hosen - In Aller Stille
Plattenfirma:
Jochens Kleine Plattenfirma (JKP)
Tracks: 13
Erscheinungsdatum:
14. November 2008
ASIN: B001HSO4E2
Preis: ca. 14,95 € In aller Stille bei Amazo.de

Ein Blick auf die Diskographie zeigt, dass auch die Hosen eine gewisse Zeit gebraucht haben, um nach Zurück Zum Glück (2004) neues Material aus dem Hut zu zaubern. Die von mir ja als eines meiner meistgehörten Alben des Jahres 2008 gekürte Nur Zu Besuch: Unplugged im Wiener Burgtheater erschien zwar zwischendurch, war jedoch kein neues Album an sich, sondern ein Abfeiern der größten Klassiker im Akustikgewand. Was angesichts meiner Ehrerbietung gegenüber dem Album natürlich keinesfalls abwertend gemeint ist!

In Aller Stille ist nun also die Rückkehr zum Strom und zwar wirklich mit der In-die-Fresse-Taktik. Der Titel lässt einen irgendwie nur gequält lächeln, als sonderlich feinsinnig kommt die Ironie der Worte irgendwie nicht rüber. Zusammen mit den mit Drumsticks, Mikro und Kopfhörern garnierten lustigen Totenschädeln und Knochenarmen wird die Kurve aber nochmal gekriegt. Der erste Track, Strom, auch als erste Single ausgekoppelt, bügelt das ganze nochmal akustisch über, damit's auch wirklich jeder begriffen hat: die Hosen sind wieder am Start. Sie mögen alt und gebrechlich sein, doch Campinos Stimme ist laut und roh wie eh und je, die Gitarren auf Dauerdistortion geschaltet und die Verstärker aufgerissen.

Damit ist ein wesentliches Merkmal dieser CD schon impliziert. In Aller Stille transportiert eine Wahnsinnsenergie. Vom ersten Track an fühlt man sich dazu hingerissen, bis zum Ende des Albums durchzutanzen und zu pogen – oder bis man außer Atem zusammenbricht. Dieser Energielevel wird erstaunlicherweise sehr lange gehalten, unterbrochen nur von Atempausen wie Auflösen, einem träumerischen Duett mit Birgit Minichmayr, die eine ähnlich raue Stimme wie Campino hat und damit dem Lied einen ganz eigenartigen, spröden Charme verleiht. Tauschen Gegen Dich, der hinreißend simple vorletzte Track, lässt den Zuhörer ein weiteres Mal kurz verschnaufen, bis für den Rausschmeißer Angst nochmal alles aufgeboten wird, was die CD auszeichnet.

Die Themen der Songs sind so, wie man das von den Hosen eigentlich kennt. Ein paar Ausrutscher, die nach Verbrüderung mit einer jüngeren Zielgruppe schreien, wie Disco (ist aber trotzdem gut und kann auch als Erinnerung an die jungen Jahre gesehen werden), sind dabei, es wird ein bisschen mit Bildern und schrägen Metaphern gespielt (erneut Auflösen), und natürlich ordentlich die Stimme gegen den Feind erhoben, in diesem Fall unter anderem mal wieder die Kirche (Innen Alles Neu), der ja mit Opium Fürs Volk im Jahre 1996 schon eine ganze Platte gewidmet wurde.

Eine Reminiszenz an's Alter und die Jahre, die man schon hinter sich hat, sind Leben Ist Tödlich oder das wirklich gelungene Alles Was War. Die Letzte Schlacht oder Pessimist hingegen beschreiben die Freude an der Kritik des Systems, die Bands wie die Hosen ja seit jeher auszeichnet.
Ordentlich druff - das ist so das Motto dieser CD, aber rund und mit System. Mitreißende, catchy Melodien erfreuen mein sowas sehr gern habendes Ohr, ebenso wie sehr ohrenfreundlich und satt ausgesteuerte Gitarren. Die Texte sind hin und wieder etwas kantig, aber so mögen wir die fünf Altpunker aus Düsseldorf doch. Also, meiner Meinung nach ein schönes Stück deutscher Rockmusik, wie man sie hin und wieder wirklich braucht. Ich mag das Ding wirklich!

Text Copyright Anna-Selina Sander 2008
Cover Copyright 
Jochens Kleine Plattenfirma (JKP)

 
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